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Arno Camenisch

Biografie

Arno Camenisch (1978) is een Zwitsers schrijver van proza, poëzie en toneel. Hij schrijft in het Duits en het Retoromaans, en is lid van de Spoken Word Formation "Bern ist überall". In 2009 debuteerde hij met de roman Sez Ner bij Urs Engeler. Het boek werd bekroond met de Berner Literaturpreis.

Een jaar later verscheen Hinter dem Bahnhof (Achter het station), en in 2012 Ustrinkata, die samen met Sez Ner een trilogie vormen. In dit drieluik wordt een beeld geschetst van het landelijke leven in Zwitserland. De trilogie wordt uitgegeven in twintig talen, waaronder het Frans, Engels, Duits, Spaans, Italiaans, Chinees en Russisch. In het Nederlandse taalgebied wordt Camenisch' werk uitgegeven door De Bezige Bij.

Zijn meest recente roman is Fred und Franz (2013). Het brengt een verhaal van twee broers en hoe zij de liefde leren vinden, verliezen, vasthouden en loslaten. De vriendschap tussen hen is ‘even betrouwbaar als het komen en gaan van de seizoenen'. Kenmerkend voor zijn werk zijn de ontroerende dialogen tussen onzin en diepgang, en de melancholische sfeer.

Lees meer op de website van de auteur.

 

Foto © Yvonne Böhler

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Auteurstekst

To be here

Von Brüssel weiss ich eigentlich nur, dass der Bäcker am Morgen freundlich war, dass es geregnet hat, als ich angekommen bin, dass es ein Sonntag und ich verkatert war, dass es am nächsten Tag immer noch regnete und mir die Wohnung gefiel, dass es Ende März war und die Wohnung an einem Platz an der Rue Dansaert lag, und dass der Platz vor der Wohnung sich mit jedem Tag füllte, je später es wurde.

Von Brüssel habe ich nichts gesehen, ausser den Bahnhof, von wo aus ich mit meiner Tochter nach Ostende ans Meer gefahren bin, ausser den Bahnsteig, auf dem ich stand und mit Miek in Amsterdam telefonierte während ich rauchte, ausser den historischen Platz im Zentrum mit den schönen Häuserfassaden, von dem ich nicht mal den Namen kenne, ausser den Strassen mit den Kopfsteinpflaster in der Innenstadt, ausser dem kleinen Laden um die Ecke und die Bar, wo Arno immer sass, ausser die Dachterrasse von Passa Porta, wo wir am Nachmittag in der Sonne anstiessen und Champagner tranken, ausser die Jugendlichen, die auf dem Platz vor der Kirche Fussball spielten, und den Alten, die an den Kirchen vorbei spazierten und sich nach ihren Hunden umdrehten, ausser dem Fischhändler, der am Abend an der Strassenecke Fische verkaufte, ausser den Frauen, die auffällig schöne Schuhe trugen und die man in der Nacht in den Strassen lachen hörte.

Von Brüssel weiss ich nur, dass ich auch dann noch an Marlène dachte, als ich mit Maria schlief, dass ich mein Tageshoroskop las und die Schokolade im Lidl kaufte, dass ich Bus gefahren bin und bei Rot über die Strasse ging, dass die Leute von Passa Porta mir zuwinkten, wenn sie am Café vorbei liefen, dass ich David Bowie hörte und auch französische Lieder, dass ich die Büchsen Coca-Cola in der Nacht im kleinen Laden an der Ecke kaufte, dass ich vor dem Spiegel stand und mich rasierte, dass ich mit der alten Russin mit dem schwarzen Hut über Hundenamen diskutierte, dass ich meine Tochter mit dem neuen Fussballleibchen auf dem Tisch fotografierte, und dass ich sie vermisste, als sie wieder zurück war, dass ich über Kommendes nachdachte und noch mehr in Vergangenem hing, und dass ich, wenn ich in die Bar ging, irgendwann immer wieder heim fand.

Von Brüssel weiss ich nur, dass ich mit Ana Kovac meine Kappe um ihren Schal eintauschte, bevor sie weiter nach Arles reiste, dass ich Radio hörte und mich dabei in Gedanken verlor, dass ich am liebsten barfuss über den Holzbogen in der Wohnung ging und dass ich im Wohnzimmer schrieb, damit ich die Leute auf den Strassen hörte, dass ich zu den Nachbarn rüberschaute, wie sie vor dem Fernseher sassen, wenn ich am Fenster stand, dass ich die Sonne über den Dächern aufgehen sah und wieder untergehen hinter der Stadt, und dass ich später wieder auf dem Sofa lag und dem Regen lauschte, dass die Tage für die lang sind, die in der Nacht nicht schlafen können, dass ich die Autos in den Strassen hupen hörte und die Menschen, die sich begrüssten oder beschimpften, dass sich das Paar vor dem Hauseingang küsste, bevor es ins Haus ging, dass ich gegen Kopfschmerzen Algifor nahm und dass ich froh war, wenn wieder die Nacht kam, dass ich am Morgen zum Bäcker gehen wollte und in Paris landete, und dass ich wieder zurück in der Stadt darüber nachdachte, dass einem in Brüssel der Gehsteig nie ausgehen würde.

 

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Passa Porta
30.03.15 > 27.04.15

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